Übergänge langfristiger Paarbeziehungen aktiv gestalten

Wenn Paare eine Paartherapie suchen oder in die Paarberatung kommen, stecken die meisten von ihnen in einer Krise. „Schon seit Jahren“, sagen Viele, wenn ich genauer nachfrage – und im Rückblick auf ihre Beziehungsgeschichte zeigt sich oft: Sie sind durch mehrere Übergänge eher hindurchgestolpert, als sie aktiv zu gestalten. Eine meiner liebsten Ausgangslagen, denn das lässt sich in Zukunft besser machen

Achtung Übergang!

Übergänge stecken voller Chancen und Risiken. Sie verändern die Situation und häufig auch die Rollen eines Paares grundlegend. Es kann nicht einfach weitermachen wie gehabt. Solche Veränderungen beinhalten Entwicklungsanforderungen für beide Einzelpersonen und für ihre Beziehung.

Es gibt Übergänge, mit denen Paare zwar rechnen, die sie häufig allerdings unterschätzen. Als wäre das nicht anstrengend genug, erleben Viele auch noch unerwartete tiefgreifende Veränderungen und Herausforderungen.

In diesem Artikel stelle ich knapp einige „typische“, erwartbare Übergänge und gebe Hinweise, warum eine aktive Gestaltung für Paare sinnvoll ist. 

Vom Dating zur festen Beziehung

Wenn zwei noch junge Menschen ein Paar werden, haben sie selten im Blick, dass sie damit auch Teil einer anderen Familie werden, die eventuell andere Grundsätze, Erwartungen und Vorstellungen hat als die eigene Familie.

Das kann herausfordernd sein und zu Streit führen, ist aber – zu diesem Zeitpunkt – selten ein Anlass für eine Paartherapie.

Vom Getrennt- zum Zusammenleben

Das Zusammenziehen ist für viele Paare, die ich erlebe, ein Highlight in ihrer Beziehungsgeschichte. Spätestens jetzt sind sie außer Liebespaar auch Lebensgefährten. Auch den Alltag miteinander zu teilen, füreinander da zu sein und ein gemeinsames Zuhause zu gestalten, stärkt oft die Verbindung.

Zugleich beginnen da im Rückblick auch die Gewöhnung und so manche Nervpunkte: „Dass du die Türen nie richtig zumachst, die Macke hast du ja damals schon gehabt.“ Man erlebt sich gegenseitig in allen Stimmungslagen, und unterschiedliche Einstellungen und Vorstellungen fallen deutlicher auf.

Das Paar kann jetzt gemeinsam ein Zuhause gestalten, muss es aber auch.

Von zwei auf drei und mehr Personen

„Ab da haben wir uns als Paar aus den Augen verloren“, erzählen viele Klient:innen in der Paarberatung und Paartherapie. Wenn ein Paar Kinder bekommt, kommen neben allem Glück auch Schlafmangel, neue Rollen, Zeitmangel und Erziehungsfragen dazu. Ganz nebenher schaffen sich in der Phase mit Kleinkindern viele Paare noch Wohneigentum und Haustiere an. Und dann ist da irgendwann noch die Schule …

Selbst Paare, die ihre Vorstellungen im Voraus gut miteinander abgeglichen haben, müssen diese immer wieder den real existierenden kleinen Lebewesen anpassen, die ihr Leben mal eben komplett durcheinanderwirbeln. Liebespaar, Lebensgefährten und Elternpaar – man muss keine Psychologin sein, um zu ahnen, was als erstes vernachlässigt wird.

Und wenn der Kinderwunsch groß ist, es aber nicht klappt, ist auch das für viele Paare eine besonders herausfordernde Zeit.

Von Grundschulkind- zu Pubertier-Eltern

Viele stecken mitten in Herausforderungen der beruflichen Entwicklung oder Wiedereinstiegsversuchen, wenn ihre Kinder ihre Synapsen neu verschalten und kaum noch wiederzuerkennen sind. Das Paar ist als Elternpaar weiter gefordert, nur anders als zuvor. Als Lebensgefährten haben sich Rollen und Verantwortlichkeiten verfestigt, die sich die beiden mal ganz anders gedacht hatten, und die Ebene Liebespaar haben Viele einfach in all dem Stress vergessen wiederzubeleben. Das kann allerdings auch passieren, wenn die Phase ansonsten geschmeidig abläuft.

Von Mitt-30-ern zu End-40-ern

Ob und wann Kinder dazukommen, ist ja sehr unterschiedlich, älter werden wir aber alle. Einige Paare bauen sich von Anfang 30 bis Mitte 40 viel zusammen auf und sind in der Phase enorm gefordert. Auch als Einzelpersonen möchten beide oft noch einmal ordentlich vorankommen und investieren viel in ihre Entwicklung. „Und mit Ende 40 hab‘ ich mich dann gefragt, was jetzt eigentlich noch kommen soll“, sagen Manche im Rückblick. Leider fragen sich das viele Paare nicht gleichzeitig oder gemeinsam, sondern lassen nur die wachsende Unzufriedenheit aneinander aus. Und dann sind da auch noch erste Stoffwechselumstellungen zu bewältigen.

Gerade in dieser Phase liegt eine riesengroße Chance, die Paarbeziehung noch einmal kräftig aufzufrischen und umzugestalten.

Von aufstrebend zu angekommen

Ab circa 50 leben viele Paare wieder allein zu zweit und hätten theoretisch auch mehr Zeit miteinander. Andererseits stecken sie noch voll im Beruf oder versuchen sich gerade beruflich noch einmal sinnvoll zu verändern und sind es gar nicht mehr gewohnt, sich um die Liebespaarebene zu kümmern. Im Spannungsfeld zwischen Gewohntem und Aufbruch siegt oft das Gewohnte. Es ist einfach bequemer.

Wenn solche Paare in die Paartherapie gehen, fragen sie sich oft, was sie jetzt eigentlich noch verbindet – und stellen fest, dass sie sich schon lange nicht mehr um sich als Paar gekümmert haben. Dabei muss es sich nicht ausschließen, Erreichtes zu genießen und Neues miteinander aufzubauen.

Von berufstätig zu Ruhestand

Der Übergang in den Ruhestand kann kräftig holpern, weil er meist nicht bei beiden gleichzeitig eintritt. Übergangsweise besteht hier das Paar aus Personen in unterschiedlichen Lebensphasen. Da ist es besonders wichtig, die Neugestaltung des Alltags und neue Rollenverteilungen gut miteinander abzuklären und immer wieder anzupassen. 

Bei Vielen kommen erst in einer deutlich späteren Phase körperliche Einschränkungen dazu. Sie können sich allerdings auch schon zwischen 60 und 70 verschärfen und eine Neuorganisation des Zusammenlebens erfordern.

Sie wollen Ihre Beziehung gestalten?

Wenn Sie jetzt den Eindruck haben, dass sie an einem solchen oder anderen Umbruch in Ihrer Beziehung die Gestaltung verpasst haben, ist es dann zu spät für eine erfüllte Beziehung?

Bei den meisten meiner Erfahrung nach nicht. Wir können immer an dem Punkt starten, an dem wir jetzt stehen, und in die aktive Gestaltung gehen. Buchen Sie gerne ein kostenloses telefonische Vorgespräch, um mit mir herauszufinden, ob ich Sie dabei sinnvoll unterstützen kann.

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