Irgendwie auseinandergelebt? Wo viele Paare sich aus den Augen verlieren

„Eigentlich ist es schon seit Jahren schwierig.“ Das sagen viele Paare, die bei mir in die Paarberatung kommen. Manchmal war es die Geburt des ersten Kindes oder der Moment, in dem eine*r von beiden einen neuen Job begonnen hat, oder ein Umzug, bei dem der Freundeskreis zurückblieb. Solche Momente beeinflussen Paarbeziehungen stärker, als Vielen bewusst ist. Und dann stolpern die Paare da eher hindurch als sie aktiv zu gestalten. 

Wenn sich die Situation und häufig auch die Rollen eines Paares so grundlegend ändern, sprechen wir Psychologinnen gerne von Übergängen. Es gibt ein Vorher und ein Nachher und damit stecken Übergänge voller Chancen und Risiken. Als Paar können Sie nicht einfach weitermachen wie gehabt. Beide Einzelpersonen und die Paarbeziehung haben Entwicklungsaufgaben zu bewältigen, um das Nachher gut zu meistern.

In diesem Artikel schaue ich mit Ihnen auf sieben häufige Übergänge und gebe Hinweise, warum eine aktive Gestaltung für Paare sinnvoll ist. 

Vom Dating zur festen Beziehung

Wenn zwei noch junge Menschen ein Paar werden, haben sie selten im Blick, dass sie damit auch Teil einer anderen Familie werden, die eventuell andere Grundsätze, Erwartungen und Vorstellungen hat als die eigene Familie. Das kann herausfordernd sein und zu Streit führen, ist aber – zu diesem Zeitpunkt – selten ein Anlass für eine Paartherapie.

Falls Sie mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin erst später im Leben zusammengekommen sind, hatten Sie das Thema vermutlich schon auf dem Radar. In solchen Fällen suchen manche Paare auch frühzeitig die Paarberatung auf.

Vom Getrennt- zum Zusammenleben

Das Zusammenziehen ist für viele Paare, die ich erlebe, ein Highlight in ihrer Beziehungsgeschichte. Spätestens jetzt sind Sie außer Liebespaar auch Lebensgefährten. Auch den Alltag miteinander zu teilen, füreinander da zu sein und ein gemeinsames Zuhause zu gestalten, stärkt bei Vielen die Verbindung.

Zugleich beginnen da im Rückblick auch die Gewöhnung und so manche Nervpunkte: „Dass du die Türen nie richtig zumachst, die Macke hast du ja damals schon gehabt.“ Man erlebt sich gegenseitig in allen Stimmungslagen, und unterschiedliche Einstellungen und Vorstellungen fallen deutlicher auf. Es sind nicht mehr nur Ihre eigenen Schuhe, die kreuz und quer herumstehen.

Das Paar können Sie jetzt gemeinsam ein Zuhause gestalten, müssen es aber auch.

Von zwei auf drei und mehr Personen

„Ab da haben wir uns als Paar aus den Augen verloren“, erzählen viele Klient*innen in der Paarberatung und Paartherapie. Wenn ein Paar Kinder bekommt, kommen neben allem Glück auch Schlafmangel, neue Rollen, Zeitmangel und Erziehungsfragen dazu. Vielleicht gehören Sie sogar zu denen, die sich in der Phase mit Kleinkindern  Wohneigentum und Haustiere angeschafft haben. Und dann ist da irgendwann noch die Schule mit ihren Anforderungen …

Selbst wenn Sie Ihre Vorstellungen im Voraus gut miteinander abgeglichen haben, sind da plötzlich diese kleinen Lebewesen mit eigenen Persönlichkeiten und Bedürfnissen, die Ihr Leben mal eben komplett durcheinanderwirbeln. Liebespaar, Lebensgefährten und Elternpaar – man muss keine Psychologin sein, um zu ahnen, was Viel eals erstes vernachlässigen.

Und wenn der Kinderwunsch groß ist, es aber nicht klappt, ist auch das für viele Paare eine besonders herausfordernde Zeit.

Von Grundschulkind- zu Pubertier-Eltern

Viele Erwachsene stecken mitten in eigenen Herausforderungen der beruflichen Entwicklung oder in Wiedereinstiegsversuchen, wenn ihre Kinder plötzlich behaupten, keine Kinder mehr zu sein. Als Elternpaar sind Sie jetzt weiter gefordert, nur anders als zuvor. Auf der Ebene der Lebensgefährten haben sich Ihre Rollen und Verantwortlichkeiten möglicherweise verfestigt, obwohl Sie sich die beide mal ganz anders gedacht hatten, und die Ebene Liebespaar haben Sie vielleicht einfach in all dem Stress vergessen wiederzubeleben. Das kann sogar passieren, wenn die Phase ansonsten geschmeidig abläuft.

Von Mitt-30-ern zu End-40-ern

Ob und wann Kinder dazukommen, ist ja sehr unterschiedlich, älter werden wir aber alle. Vielleicht gehören Sie zu denen, die sich von Anfang 30 bis Mitte 40 viel zusammen aufgebaut haben und in der Phase enorm gefordert waren. Schließlich investieren auch beide als Einzelpersonen in dieser Phase noch einmal besonders stark in ihre Entwicklung. Im Rückblick sagen Manche: „Und mit Ende 40 hab‘ ich mich dann gefragt, was jetzt eigentlich noch kommen soll.“

Leider fragen sich das viele Paare nicht gleichzeitig oder gemeinsam, sondern lassen nur die wachsende Unzufriedenheit aneinander aus. Und dann sind da auch noch erste Stoffwechselumstellungen zu bewältigen.

Gerade in dieser Phase liegt eine riesengroße Chance für Sie, die Paarbeziehung noch einmal kräftig aufzufrischen und umzugestalten, ohne alles Aufgebaute über den Haufen zu werfen.

Von aufstrebend zu angekommen

Ab circa 50 leben viele Paare wieder allein zu zweit und hätten theoretisch auch mehr Zeit miteinander. Andererseits stecken sie noch voll im Beruf oder versuchen sich gerade beruflich noch einmal sinnvoll zu verändern. Wenn Sie in dieser Phase sind, sind Sie es vielleicht gar nicht mehr gewohnt, sich um die Liebespaarebene zu kümmern. Im Spannungsfeld zwischen Gewohntem und Aufbruch siegt oft das Gewohnte. Es ist einfach bequemer.

Wenn solche Paare in die Paartherapie gehen, fragen sie sich oft, was sie jetzt eigentlich noch verbindet – und stellen fest, dass sie sich schon lange nicht mehr um sich als Paar gekümmert haben. Aber ich kann Sie ermutigen: Es muss sich nicht ausschließen, Erreichtes zu genießen und Neues miteinander aufzubauen.

Von berufstätig zu Ruhestand

Der Übergang in den Ruhestand kann kräftig holpern, weil er meist nicht bei beiden gleichzeitig eintritt. Übergangsweise sind Sie hier vermutlich Personen in unterschiedlichen Lebensphasen. Da ist es besonders wichtig, die Neugestaltung des Alltags und neue Rollenverteilungen gut miteinander abzuklären und immer wieder anzupassen. 

Wenn es gut läuft, kommen erst in einer deutlich späteren Phase körperliche Einschränkungen dazu. Dennoch können sich  beispielsweise durch Erkrankungen oder Unfälle auch schon zwischen 60 und 70 Einschränkungen verschärfen und eine Neuorganisation Ihres Zusammenlebens erfordern.

Sie wollen Ihre Beziehung gestalten?

Wenn Sie jetzt den Eindruck haben, dass Sie an einem solchen oder anderen Umbruch in Ihrer Beziehung die Gestaltung verpasst haben, ist es dann zu spät für eine erfüllte Beziehung?

Bei den meisten meiner Erfahrung nach nicht. Wir können immer an dem Punkt starten, an dem wir jetzt stehen, und in die aktive Gestaltung gehen. Buchen Sie gerne ein kostenloses telefonische Vorgespräch, um mit mir herauszufinden, ob ich Sie dabei sinnvoll unterstützen kann.

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